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1. Juni, „In Zukunft eine Regel: Es gibt keine Regeln“

„Ein vollständiger Sieg“

FDP schlägt Zentrum für psychologische Kriegsführung vor, norberthaering.de, 28.5.
Die Nato plant eine „kognitive Kriegsführung“ Nato-Broschüre The Three Swords 39/2023, The 21st-Century Game Changer. Cognitive Warfare, Kommandant Cornelis van der Klaauw von Strategic Communications and Information Operations des NATO Joint Warfare Centre, (übersetzt):
Kognitiver Krieg ist ein strukturierter und wohlüberlegter Ansatz, der darauf abzielt, die menschliche Kognition von Individuen, Gruppen und Gesellschaften so zu beeinflussen, dass ihre Entscheidungsprozesse und letztlich ihr Verhalten betroffen sind. S. 98.
Eines der vielversprechendsten Projekte ist die Entwicklung eingebetteter synthetischer DNA (sDNA). [...] Derzeit ist es möglich, 2,14 × 10^6 Bytes an Daten auf sDNA zu speichern. [...] Im Bereich des Neurocomputing können Implantate genutzt werden, um das Hören und Sehen zu verbessern. Darüber hinaus kann neurale Nanotechnologie verwendet werden, um nanoskalige Roboter über den Blutkreislauf in die Nähe eines Neurons zu bringen und so eine direkte Verbindung des menschlichen Gehirns (d.h. nicht durch unsere Sinne abgefangen) mit einem Computer zu ermöglichen, wobei künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt. S. 101.
In Zukunft wird es in der Kriegsführung nur noch eine Regel geben: Es gibt keine Regeln. Während in anderen Bereichen taktische und operative Siege möglich sind, ist der menschliche Bereich der einzige Bereich, in dem wir einen vollständigen Sieg erringen können.

In the future, there will only be one rule in warfare: There are no rules. While other domains can provide tactical and operational victories, the human domain is the only domain in which we can secure a full victory.

Geimpfte sind grün, für Nato und Atomkrieg

Vor kurzem noch schrieb ich im Corona-Tagebuch Zitate, dass Ungeimpfte Verschwörungsmythen anheim fallen. Und Ungeimpfte gegen Nato seien.
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Aus meinem Corona-Blog, 2022:
STUDIE. Ukraine-Krieg: Mehrheit der Ungeimpften glaubt an eine Verschwörung […]
die NATO habe Russland so lange provoziert, dass dieses in den Krieg ziehen musste. derstandard.at, 7. Mai.
Ob Putin ungeimpft ist?
Russlands Präsident Wladimir Putin begründet den Krieg gegen die Ukraine mit der Expansion der Nato. dwn.de, 9. Mai.

Besonders auffallend an den Ergebnissen ist, dass Gegnerinnen der Corona-Maßnahmen und Impfverweigerer besonders offen für derartige Aussagen [sind]. Denn während gerade einmal 14,5 Prozent der Geimpften Verschwörungserzählungen rund um den Ukraine-Krieg zustimmen, sind es unter den Ungeimpften über 56 Prozent. derstandart.at, s.O.

Grünen-Wähler kaum betroffen. Verschwörungsmythen zu Ukraine-Krieg vor allem unter AfD-Wählern und Ungeimpften verbreitet. tagesspiegel.de, 5. Mai.
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Vor über einem Jahr, am 14. März 2023 tagte ein Symposium im Bundesverteidigungministerium, marshallcenter.org, Normative Strategic Competition in an Era of Choice, Symposium Aide Memoire, Federal Ministry of Defence, Berlin, 14 March 2023.
Darin die Ansicht, Deutschland leide unter Spannungen zwischen den Wählern - „Gewinnern“ und „Verlierern“ (diejenigen, die sich ausgeschlossen und nicht repräsentiert fühlen). In einer Demokratie würden diese Spannungen, bzw. Rechtspopulisten, die Demokratie untergraben, und die Solidarität für die Ukraine beeinträchtigen. Also Rechtspopulisten gegen Waffenlieferungen.

Die Nato-Broschüre widmet sich ihrer:
Menschen, die das Gefühl haben, dass sie in Institutionen nicht gehört oder richtig repräsentiert werden und dass die „Elite“ ihre Anliegen ignoriert, sehen im Populismus die Lösung ihrer Probleme, was sie besonders anfällig für kognitive Manipulation macht. S. 101. Die Lösung: DNA ins Blut → Weisheit durch KI. Deshalb Ungeimpfte gegen Nato?

Die Grünen (die, wie gesagt, ja auch gerne geimpft seien) werden auf dem Symposium gelobt: Sie befinden ihre früheren Werte - Frieden, keine Atomwaffen, Schutz wehrloser Frauen und Kinder - für unvereinbar. Zum Schutz von Wehrlosen billigen sie Krieg und Atomwaffen. Offenbar sind Wehrlose vor Atomwaffen geschützt und werden nicht betroffen. Germany’s Zeitenwende was shaped by values. The Ukraine war caused a shift in the strategic culture of the Green Party. Formerly compatible norms of pacificism, anti-nuclear outlook and protection of non-combatant women and children became incompatible when Russia invaded. Protection of the innocent was privileged above pacifism and anti-nuclear discourse.

„Es darf keine roten Linien geben, das hat uns diese Pandemie nun wirklich gezeigt. Wir müssen immer bereit sein umzudenken, wenn die Umstände es erfordern.“ Kanzler Scholz, stern.de, 12.12.2021.

Christoph und ich essen Abendbrot. Fällt dir nicht ein Künstler ein? Krieg in Medien, aber auf den Straßen unsichtbar. Leute im Café, selten ein Wort über Krieg. Fast nie. Leipzig feiert sich vom Wave Gothic Festival übers Weinfest ins Stadtfest hinein, um nächste Woche zum Bachfest überzugehen. Das Stadtmuseum hat eine Ausstellung über Queere. Und für Queere. „Queer Voices“. Man kann sich in rosa Kissen kuscheln, Museumsbesucher, und muss, um die Ohrhörer zu nehmen, liegend, die Köpfe recht nah aneinander stecken. Rotlicht, oder rosa. Kollege von der Aufsicht will den Dienst verweigern, nicht noch mal ganzen Tag im Rotlicht-Keller. Beim Zeichnen denke ich an Otto Dix. Golden-Zwanziger Jazzkapellen, Sex, Partygirls, dazwischen aber verkrüppelte Soldaten. Die gibt es derzeit noch nicht. Was ich in Straßen also sehe und zeichne, keine Trümmer, keine Panzer, ist das dieser kognitive Krieg, Krieg in den Köpfen?

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2. Juni, Köpfe zu Schlachtfeldern

Die Polizei hat fest gestellt, dass diese „Verschwörungstheorie“ kursiert: Bei der Corona-Impfung werde „gleichzeitig ein Mikrochip-Implantat in den Körper eingepflanzt, um die Menschheit zu bespitzeln (tracken) und zu dezimieren“. Prof. Dr. Stefan Goertz, Bundespolizei, Hochschule des Bundes Lübeck, polizeipraxis.de, 23.6.21, Absatz 2.2. Er zitiert aus rp-online.de, 4.3.21.
Wie die Theorie entstanden sei, wisse man nicht, nur wo etwa sie sich dann verbreitet hat, in QAnon-Kreisen und anderen, rp-online.de, ebd. Aber ist sie nicht sehr nah an der Nato-Theorie, Siehe Tagebuch gestern? Nato = Verschwörungstheoretiker? Darf man sicher nicht so sehen. Also welcher Teil davon ist nun die Verschwörungstheorie? Laut Nato will man DNA ins Blut injizieren, um ans Gehirn zu docken und KI dran zu schalten, „kognitive Kriegsführung“. Dann ist es wohl nicht das, was als Verschwörungstheorie bezeichnet wird. Vielleicht ist die Verschwörungstheorie, dass es speziell bei der Corona-Impfung beabsichtigt sei. Man müsste also erst warten und vielleicht andere Impfungen verdächtigen? Oder ist die Verschwörungstheorie, dass die Absicht das Dezimieren der Menschheit sei? Man beabsichtigt anderes.

The human mind becomes the battlefield. Countering cognitive warfare: awareness and resilience Johns Hopkins University & Imperial College London 20 May 2021, nato.int.

Keine Tabus

EU will aufrüsten: Das Schulden-Tabu wackelt. Die EU gibt so viel für Rüstungsgüter aus wie nie – und EU-Ratspräsident Charles Michel fordert mehr. Dabei schaut er auf die Sicherheit der Ukraine.
Die EU brauche mehr Raketen, mehr Munition, mehr Luftverteidigung, taz.de.

Westliche Truppen für die Ukraine: Fallen die Tabus? focus.de, 2.6.24.

Bei der EU fallen die Tabus, In Berlin spricht man von einer Zeitenwende, taz.de, 28.2.22.

Strack-Zimmermann will 900.000 Reservisten aktivieren, n-tv.de, 1.6.

Rote Linien werden rosa

Vor einem Jahr:
Scholz zieht rote Linien. Keine Kampfjets und Bodentruppen - „Darauf können sich alle verlassen“, n-tv.de, 25.1.2023.

Heute:
Deutsche Waffen in der Ukraine. Ist Olaf Scholz’ rote Linie nun rosa? spiegel.de.

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3. Juni, ... niemand wird dein Hirn durchwühlen

Christoph hat ein Zitat vom Pseudo-Varro:
Für jedermann ist die Zunge schädlicher als der Geist =
Deine Zunge bringt dich eher vor Gericht als dein Kopf =
Wenn du was falsches gesagt hast, landest du eher beim Verfassungsschutz, als wenn du's nur denkst.
Schließlich wird einem keiner „die Eingeweide durchstöbern“ =
das Hirn aufbohren, um nachzugucken, was er gedacht hat.


Lingua mente cuique nocentior est.
non rimaberis viscera ad videndum, quid senseris.

Sententiae Varronis 103f.

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7. Juni

Das Bachfest wird eröffnet, High society im Rathaus, im Festsaal des Museums erwartet. Sachsens Ministerpräsident, Vorstände der Bach-Gesellschaft und des Bach-Archivs, Koryphäen, Musiker. Kollege und ich bauen die Garderobe auf. Techniker richten ein Rednerpult ein. Catering-Firma arrangiert ein langes, buntes Buffet und eingedeckte Stehtische mit Knabberstangen. Kollege und ich sind vor allem fürs Zugucken zuständig: Meine Lieblingstätigkeit. Dass keiner Essen und Gläser etwa auf die eisenbeschlagene Einbaum-Truhe stellt.

Kurz vor Einlass stehen die Catering-Mädchen am Eingang stramm mit Tabletts, dass die Gäste, die zur Tür eintreten, sofort ein Wein- oder Sektglas haben. Ich nehme an, sie kommen direkt vom Eröffnungskonzert aus der Thomaskirche. Nicht viele Jacken und Beutel muss ich entgegen nehmen, ist Sommer.

Jemand hält die Eröffnungsrede, recht kurz, Willkommen, Danksagung, Lob, Andenken. Buffet wird eröffnet. Ich luge herum, ob ich den Ministerpräsidenten entdecke, noch nicht entdeckt, Kollege macht nicht den Eindruck, dass er ihn überhaupt entdecken will. Sarah Wagenknecht hat doch geäußert, mit Kretschmer zusammen arbeiten zu wollen. Ach ja? fragt mein Kollege höflich, aber desinteressiert. Die Catering-Mädchen schlängeln sich mit Getränke-Nachschub durch die Stehtische. Gäste dürfen sich auch in den historischen Vertäfelungs-Holzbänken entlang der Wände setzen. Die Galerie gemalter Ratsherren und Richter, Porträts aus dem 17. bis 19. Jh., die gesamten Wände rundherum entlang, blickt auf uns alle herab, lauter weiße und graue Barockperücken. Hier und dort richten sich Gäste auf Museums-Möbel oder an der Kasse mit Essen ein, Kollege und ich müssen sie dann freundlich bitten. Da endlich entdecke ich Herrn Kretschmer! Sieht genauso aus wie im Fernsehen. Ich sehe ihn vor mir, wie er Leute wie mich für bösartig erklärt hat, wenn sie eine Corona-Impfpflicht befürchtet haben.

2021 schrieb ich in mein Corona-Tagebuch:
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Letztes Jahr:
Niemand wird in Deutschland gegen seinen Willen geimpft. Auch die Behauptung, dass diejenigen, die sich nicht impfen lassen, ihre Grundrechte verlieren, ist absurd & bösartig. Lassen Sie uns Falschnachrichten & Verschwörungstheorien gemeinsam entgegentreten. Michael Kretschmer Twitter, 5.5.2020. Nicht „Impfzwang“ ist böse, sondern die Befürchtung. [„Und lassen Sie uns gemeinsam auch solchen Leuten entgegen treten.“ Ebd.]

Heute:
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer weicht von der Linie der Bundeskanzlerin ab und schließt eine Impfpflicht nicht mehr aus.
Er rede sogar von Zwang, wie er selbst sagt, das käme aber nicht gut an, deshalb überlege er sich eine psychologische Strategie: Der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ sagte Kretschmer, dass er eine Impfpflicht zum aktuellen Zeitpunkt ablehnt, die Frage im Sommer aber neu bewerten will. „Es ist eine psychologische Frage. Immer dann, wenn ich über Zwang spreche, machen Menschen zu, die ansonsten noch erreichbar wären. Deswegen ist jetzt der falsche Zeitpunkt für diese Debatte“, sagte Kretschmer. welt.de, 27.2.21. Ob denn die Vermutung des „Impfzwangs“ heute immer noch bösartig ist?
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Wagenknecht fordert nun immer wieder eine Corona-Aufarbeitung. Aber:
Wagenknecht schickt Liebesgrüße an Kretschmer
[...] immer wieder Flirtattacken in Richtung Sachsen-Premier Michael Kretschmer (49, CDU). Der fahre ja beim Thema Ukraine und Russland einen anderen Kurs als etwa Friedrich Merz mit seinen Taurus-Raketen, lobt sie. Und auch Kretschmers Grünen-Bashing nimmt Wagenknecht dankbar auf. Deren Regierungsbeteiligung wären „der Worst Case für Sachsen“, so Wagenknecht im Kretschmer-Sound. „Neue Politik gibt es nur mit dem BSW.“ bild.de, 19.5.24.
Wagenknecht flirtet mit der CDU: Die Chefin von der Partei BSW lobt den Sachsen-Premier Michael Kretschmer für seine Ukraine-Politik und seine Anti-Grünen-Haltung weltwoche.ch, 21.5.24.

Ich stelle mir vor, derweil ich Herrn Kretschmers Abend mitorganisiere, ich würde ihn fragen, wie er seine Corona-Politik vorhat aufzuarbeiten. Aber selbstverständlich kommt es mir nicht zu, hier Fragen zu stellen. Eine rote Linie. Gegen Lohn bin ich heut Diener und sorge, zurückhaltend im Hintergrund, für einen reibungslosen Ablauf. Er, hoher Beamter, geht von Tisch zu Tisch und unterhält, Wortführer, viele Gäste. Ich stelle mir vor, wie er mit Barock-Perücke gemalt und in die Rathaus-Galerie eingereiht wird. Ich könnte doch malen.

Gegen 22 Uhr, als die Feier beendet und alle Gäste raus sind, öffnet der Kollege ein Fenster, die Bühne vom Markt spielt Bach, ein Dirigent im Rollstuhl wirbelt wendig herum, vor dem Chor steht ein „schweigender Chor“ mit synchroner Gebärdensprache – Chor macht Gebärdensprache. Johannes-Passion barrierefrei, inklusiver Gebärdenchor. Auch Taube sollen Bach „hören“, Mit den Augen hören, Johannespassion barrierefrei für Hörbehinderte singandsign.de. Ich zeichne den Platz voller Leute.

Das Bachfest ist eröffnet.

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8. Juni, Wahlomat

Morgen Europawahl. Gestern Test am Wahlomat gemacht: Fragen wie

Die EU soll mehr Waffen für die Ukraine finanzieren. Klicke ich Nein, bin ich also für Waffenlieferung, nur nicht für mehr.

Die Ukraine soll Mitglied in der EU werden. Wobei es schon längst drin zu sein scheint.

Mehr außenpolitische Entscheidungen der EU sollen mit Mehrheit statt einstimmig getroffen werden.
Bisher gilt Einstimmigkeit.
Diese Regel [Einstimmigkeit] gilt zum Beispiel, wenn die EU gegen einen anderen Staat wie Iran oder Russland Sanktionen verhängen will.
Ständig blockiert Ungarn wichtige EU-Entscheidungen mit seinem Veto. Kanzler Scholz und andere Regierungschefs wollen deshalb das Einstimmigkeitsprinzip in außen- und sicherheitspolitischen Fragen abschaffen. sueddeutsche.de, 22.9.22, Der Widerstand der Kleinen.
Draghi gegen Russland. de.euronews.com, Draghi will Reform der EU. Einstimmigkeitsprinzip soll weg.

Hin und wieder das Argument, dass so kleine Staaten wie Malta alles blockieren könnten, so wenige Einwohner gegen den Rest der EU, gegen unser aller Interesse, ungerecht.
Problem: Das Veto in der Außenpolitik blockiert die EU
In der Praxis bedeutet das: Die EU hat fast 450 Millionen Einwohner. Wenn die Regierung von Malta sich querstellt, dann kann diese „Macht“ von 475.000 Menschen (weniger EinwohnerInnen als Bremen / 0,1 % der EU-Gesamtbevölkerung) alles blockieren. So schaffen wir das Einstimmigkeitsprinzip in der EU endlich ab
Aber doch sind viele Deutsche, die durchaus Freundschaft mit Russland wollen, froh über Ungarns Veto,… Es steht nicht 100% Bevölkerung hinter jeder Regierung.

Ohne Veto wird jedes EU-Land Nato-konform. Nur noch 4 Länder, die in der EU, aber nicht in der Nato sind, neutral, Österreich, Zypern, Irland, Malta. Die Nato kann Russland also umzingeln, die Nicht-Nato-nur-EU-Länder müssen nicht auf Kriegsfuß mit Russland stehen. Doch ohne Veto müssen sie es, wenn die Mehrheit Sanktionen will. Kein EU-Land mehr neutral.

Betreiber sozialer Netzwerke sollen frei entscheiden dürfen, wie sie mit Desinformation auf ihren Plattformen umgehen.
R: Joa, frei entscheiden.
S: Nee!
R: Wie? Klar, bin ich für frei entscheiden, dass so akribische Journalisten wie Paul Schreyer oder Norbert Häring nicht mehr gelöscht werden müssen.
S: Aber ist doch sicher anders herum gemeint. Ausgehend vom Rechtsstaat mit freier Meinungsäußerung dürfen Plattformen nicht einfach löschen. Dann heißt „Ja“, sie sollen einfach löschen dürfen, ohne dass ihnen das Gesetz der freien Meinungsäußerung im Weg steht.
R: Ach so meinst du? Tja, wenn man nicht weiß, klick ich auf „neutral“.

Hoffentlich lassen sich nicht allzu viele ihre Entscheidung vom Wahlomaten machen.

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9. Juni, Bachfest

Morgens um 7 übernehme ich die Obhut der Alten Börse. Licht und Sicherungen anschalten, Dokument führen, oben im Konzertsaal stimmt eine junge Frau mit Wuschelkopf die Instrumente. Ich sitze unten und tue, was mich die Kollegin als allererstes angewiesen hat: Bringen Sie sich eine Beschäftigung mit.

Mittag, nette Mädchen in schwarzen T-Shirts mit Aufschrift Team Bach Archiv haben feierlich die schweren, rot gemusterten Vorhänge zu den Treppen-Aufgängen zugezogen und managen den Einlass, viele Leute auf einmal. Die Vorhänge sind nur geschlossen worden, um vor den Gästen festlich aufgezogen zu werden. Die obere Etage, der Konzertsaal, wird vollständig gefüllt, also müssen's 199 Gäste sein, notiere ich ins Dokument, weil stehen, laut Bestuhlungsvorschrift 199 Stühle. Die Hauptdame vom Bach-Archiv meldet, sie hätten noch 4,5,6 Stühle hinzu gestellt ohne Armlehne, weil kamen Leute nicht in die Reihen an den Armlehnen vorbei. Ich streiche durch und schreibe 205. Eine sehr schicke schwarzhaarige Dame eilt geschäftig und Bühnen-fertig strahlend von hier nach dort, eine Musikerin, und schließlich auch die Treppe hoch in den Konzertsaal. Vorhänge wieder zu, leere untere Halle. Oben beginnt das Konzert. Die Empfangsmädchen vom Bach-Archiv haben sich hinterm Tresen auf den Boden gesetzt, ich privilegiert mit Tisch, Tee und Stuhl in meiner Kammer am Fenster und Beschäftigung. Das ganze Haus erfüllt von Cembalo, Truhenorgel, Viola da gamba. Laut Programm Bach: Sonate g-Moll, BWV 1029 • G. P. Telemann: Sonate e-Moll, TWV 41: e5 • R. Sharman: Following Bach 1 • J. S. Bach: Sonate G-Dur, BWV 1027 • R. Sharman: Following Bach 2 • G. P. Telemann: Sonate a-Moll, TWV 41: a6 • J. S. Bach: Sonate D-Dur, BWV 1028.
Ich denke immer, dass musikalische Schwingungen in solchen Mauern und Wandvertäfelungen und Fassaden-Schnörkeln hängen bleiben und noch weiter ausstrahlen. So kurzweilig, dass ich überrascht bin, als schon zum Abschied applaudiert wird. Vorhänge feierlich aufgezogen, begeisterte Leute die Treppen herunter. Kaum wer, der Deutsch spricht. Die Musiker stellen sich auch unten noch mal zum Abschied auf und schütteln freudig viele Hände. Vanessa Hunt Russell, Stephen Moran, Rafaela Salgado.

Nachmittag. Typ Handwerker bauen die Instrumente ab, packen sie ein, tragen sie die Außentreppen der Börse hinunter in einen Transporter. Ich muss an jammernde Katzen in Boxen denken, im Auto zum Tierarzt, so muss sich das Cembalo jetzt fühlen. Aber ins Dokument muss ich nur eintragen, dass die Bühne sauber hinterlassen wurde, Flügel abgedeckt, laut Vorschrift steht nur noch Flügel und ein Hocker. Ich öffne alle Fenster, erstaunt, was eine Halle in zwei Stunden Konzert müffelt, und sammle feuchte Knautsch-Schnäuztücher aus den Sitzreihen auf, die der ein oder anderen Zuhörerin aus der Tasche gefallen sind, oder nachdem sich einer nicht so hat bücken können.
Ich werde von einer nächsten Handwerkergruppe überrumpelt, die mirnichts-dirnichts die eben bereinigt ins Dokument verzeichnete Bühne, schon unterschrieben, wieder voll baut. Elektro-Boxen mit Kabeln. Ich frage, weil's dokumentiert werden muss. Pfff, keine Ahnung, sagt er, die Frau *** meinte, wir hängen gleich Proben hinten dran. Mit wissendem Blick dann: Stück 39! Soviel kann ich sagen! Ich springe in die Wache rüber, die weiß auch nichts. Wieder in die Börse. Ich muss ein paar zufällige Touristen sehr höflich raus bitten, weil ist nicht öffentlich. Da ab nun wieder nichts zu tun ist, habe ich im Kämmerlein meine Beschäftigung. Coole Musik ertönt von oben, modern, aus der Musikbox. Schöne alte Instrumente stimmen ein, auch wieder ein Cembalo. Als ich wieder zur Bühne hoch gehe, ist also, nachdem das vorherige Cembalo abtransportiert wurde, ein nächstes antransportiert worden, und eine ganze Gruppe Musiker, Streicher, Bläser,...
Moderner Bach, super poppig, das Moderne heraus geholt, trance-artige Schwebe-Musik, Lauf-Musik, dabei das Tragische, Passion, Verhängnis, Triumpf,... Was meine Zeichnung hier damit zu tun hat? Sie ist vor paar Tagen skizziert und nun zeichne ich unter dieser Musik die Pflastersteine, klick klack, Linie Linie, klick klack,... Der Leser kann hier einen Eindruck erhalten: Ach Golgatha, ab Minute 32 Burak Özdemier, Musica Sequenza, Istanbul.

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Bald Dienstschluss. Börse ist 16 Uhr 15 abzuschließen. Die Musiker spielen unbeirrt, unabrückbar in Höchstform. Ich sehe kurz zu, aber kann mich nicht überwinden, die Passion zu unterbrechen, stapfe wieder runter. Darf ich denn überhaupt unbezahlt länger machen? Zur Wache rüber, fragen. Er schiebt die Unterlippe vor und kommt mit rüber, ob er was machen kann. Treppe hoch, die Musiker in Extase, wir stehen beide, um uns zu zweit nicht zu überwinden, sie zu unterbrechen. Sind ja noch paar Minuten, entschließt er sich, und geht wieder rüber. Ich erste Schließaktionen und Kontrollgänge unten. Schon wieder unbefugte Besucher in der Halle, oh Entschuldigung, ich muss Sie leider raus bitten, hier sind Musiker-Proben. Der Mann motzt mich an: Müssen Sie eben abschließen! Ich überlege kurz: freie Musiker ein- oder aussperren? Manche Touristen kommen wegen Bachfest angereist, aber wenn Organisationsarbeit hinter steckt, kennen sie nichts.
Musikstück kommt vollwertig entwickelt zum Abschluss, ich sprinte hoch, bevor das nächste beginnt. Ich frage, weil wird in 15 Minuten geschlossen. Ja, wir sind gleich fertig, alles klar, das Cembalo bleibt da, und für Technik kommt nachher die Firma so in 20 Minuten. Nur 15 Minuten? Dann setzen Sie sich bitte mit meiner Firma in Verbindung. – Welche Firma? Nein, Sie als Veranstalter sind zuständig. Ich zur Wache rüber, die ist entschlossen, dass pünktlich abgesperrt wird. Bleiben die Sachen eben drin. Die Musiker trudeln glücklich aus dem Saal und machen nebenbei Selfies von sich und Kronleuchter. Ich schließe alle Fenster. Notenständer und Geräte noch auf der Bühne verblieben, notiere ich bedauernd ins Dokument. Die eben hinaus beorderten, unbefugten, knirschigen Besucher schon wieder drin, schlüpfen heimlich in die Toilettentür. Na, das erlaub' ich grad noch. Aber fast hätte ich sie eingeschlossen, wenn sie erstens nicht hören können, und zweitens sich auch noch verstecken. Ich warte mit dem Abschließen. Nach ihrem verrichteten Geschäft schleichen sie sich wieder raus, ich grüße freundlich: Schönen Abend noch. Sie ignorieren mich mit ziemlich bösen Gesichtern und trotten im Schneckentempo zur Tür raus. Ich muss die schon kontrollierten Toiletten noch mal kontrollieren. Leicht verspätet schließe ich die Alte Börse ab.

Abends sitzen Christoph und ich am Markt im Café, die Open-Air-Bühne entwickelt nach Tagsüber-Schlaf abendliches Leben. Lautsprecher-Tests, Fiepen und Dröhnen. Und dann kommt diese Musik, die trance-artige, schreitende, moderne Bachmusik, das sind sie! Die Musiker von eben aus der Börse! Schreckliche Bühnentechnik. Der den Bass einstellt, denkt wohl an Rammstein, hat keine Ahnung von Bach, meint Christoph. In den Proben in der Börse lag der Bass so tragend und weich wie ein belebender Pulsschlag unter den klassischen Instrumenten, aber der Rammstein-Techniker dreht den Bass so auf, dass er brutal auf die Musik eindrischt, wie eine Axt es in Stücke zerhaut.

Zu Hause überrede ich Christoph zum Live-Konzert noch mal in die Stadt. Er protestiert gegen sein Klappstühlchen, sei ja schon wie Rollator. Guck mal, noch mehr Leute mit Klappstuhl. Die Stadt ist nicht in der Lage, außer paar Brettbänken ohne Lehne, was viel zu wenige sind, Aufenthaltsmöglichkeiten hinzustellen. Das Rathaus-Café macht pünktlich und unerbittlich zu, sobald ein Bachkonzert beginnt. Ich mache mir Sorgen, weil ich die Notenständer habe in der Alten Börse einschließen müssen. Was machen sie jetzt ohne Notenständer? Da treten sie auf die Bühne, Jubel, nehmen Platz, und das Konzert beginnt. Alles perfekt. Haben wohl Ersatz-Notenständer. Der Rammstein-Bass-Techniker ist offenbar überredet worden, dass es sich um Klassik handelt. Es wird dunkel und der Boden des Marktplatzes sitzt sich warm von der heißen Tages-Sonne. Christoph holt sich ein Bier. Der Musiker ist doll im Geschäft weltweit, Burak Özdemir, ob er mit Özdemier verwandt ist? Und was er aus so einem Fagott raus holt! In freakigem Disko-Hemd springt er beständig und spielt Fagott im Wechsel. Ich zeichne, und da ich diese Musik schon seit dem frühen Nachmittag hatte, finde ich, sie macht süchtig, mit ihr zeichnen ginge endlos.

Musica Sequenza: Kaori Kobayashi (Violine), Edi Kotlyar (Violine), Chang-Yun Yoo (Viola), Linda Mantcheva (Violoncello), Pedro Alcàcer (Bass), Charlie Zhang (Theorbe), Tilmann Albrecht (Cembalo), Leitung: Burak Özdemir (Fagott, Electronics)
Im Projekt „Sampling Baroque: Bach“ entwickeln Burak Özdemir und Musica Sequenza eine neue Art von Musik: frei von Ideologien, neugierig, klangorientiert und jenseits des jeweiligen musikalischen Ursprungs. Wo Barock auf zeitgenössische Klänge trifft, erklingen historische Instrumente des 18. Jahrhunderts neben Synthesizern und digitalen Klangelementen und versprechen musikalischen Expeditionen in die unentdeckte Welt des Elektrobarock.
bachfestleipzig.de

Lieber Leser, die genannten Musiker sind im Internet zu finden und auch Stücke zum Anhören.

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14. Juni, Militärische Lage

Nato versus Russland

Die Nato hat gegenüber Russland ein Vielfaches an Militär.

Nato Russland
Flugzeugträger 16 1
Militärisches Personal 7.628.782 3.570.000
Aktive Soldaten 3.390.797 1.320.000
Reserve 3.440.165 2.000.000
Luftstreitkräfte 22.308 4.814
Hubschrauber insgesamt 8.950 1.547

statista.de, Vergleich der Militärstärke von NATO und Russland im Jahr 2024

Alleine die USA geben schon 9 mal soviel Geld für Rüstung aus wie Russland. statista.com, Ausgaben 2023.

Pistorius heiter

Pistorius hält Russland für nicht sehr bedrohlich: Pistorius erwartet angesichts der Bedrohungslage durch Putins Russland kaum, dass junge Leute sich aus Angst vor einem Kriegseinsatz gegen den Wehrdienst entscheiden. Deutschland habe mit seiner Wehrpflicht-Armee die Erfahrung gemacht, dass es nie zum Konflikt gekommen sei, „weil wir wirksam abschrecken konnten“, sagt Pistorius. Es gehe darum, alles dafür zu tun, dass Deutschland in der Abschreckung so glaubwürdig und fähig werde, „dass es gar nicht erst zu einem Konflikt kommt und alle gesund und heiter nach Hause gehen können“. Eine Heiterkeit, die der Minister durch seine eigene unterstreicht. n-tv.de, 12.6.

Die „Hausnummer“

Pistorius schließt mit einer klaren Hausnummer: 2029. Ab dann, davon müsse man nach Einschätzung aller internationaler Militärexperten ausgehen, werde Russland in der Lage sein, „militärisch einen NATO-Staat oder einen Nachbarstaat anzugreifen“. Nun gilt es also, die Bundeswehr mit Blick auf 2029 „kriegstüchtig“ zu machen. n-tv.de, 12.6.
Also die Nato noch übermächtiger gegenüber Russland.

Wehrpflicht

Trotz dieser enormen Übermacht der Nato, meint Deutschland, jetzt wieder Wehrdienst zu brauchen. So werden wir auf Trab gehalten.
Beschluss auf Parteitag. CDU stimmt für Rückkehr zur Wehrpflicht
Die Wehrpflicht wurde 2011 von einer unionsgeführten Regierung ausgesetzt. 13 Jahre später fordert die CDU jetzt eine Kehrtwende. tagesschau.de, 7. Mai
Wehrpflicht: Wer muss zur Musterung? ZEIT.de, 12.6.
Fragebogen, Musterung, Auswahl. So soll die neue Wehrpflicht aussehen n-tv.de, 12.6.

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14. Juni, „Lesarten“

Die „russische Lesart“

1990 stimmte Gorbatschow der deutschen Wiedervereinigung zu und zog, aus eigenen Stücken, seine Truppen aus Ostdeutschland ab. Der Westen hatte versprochen, die Nato nicht Richtung Russland auszuweiten.

Soweit unser Schulwissen und was wir im Allgemeinen als Grundlage gehalten haben.
Seitdem erweiterte sich die Nato aber um Polen, Tschechien, Ungarn, Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Albanien, Kroatien, Montenegro, Nordmazedonien. Russland immer näher, sieht mittlerweile recht umzingelt aus.
Amerikanische Truppen stationieren sich bis heute in Deutschland und sind nicht abgerückt.
2014 wird in der Ukraine die Russland-freundliche Regierung gestürzt und eine Amerika-freundliche errichtet (Maidan-Putsch).
2020 sahen Christoph und ich am Weimarer Bahnhof Züge voll Nato-Panzer auf dem Weg Richtung Osten.
2022, während längst Nato in der Ukraine steht, vor Russlands Haustür, schreitet Russland dann doch zur Tat, und der Westen ist überrascht.

Aber das soll die „russische Lesart“ sein:
Nach russischer Lesart gab es eine Zusage an den sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow, dass sich die Nato nicht ausdehnen würde. Bis heute beharrt Russland auf dieser Deutung. Die Archive sind da längst weiter. sueddeutsche.de, 23. Dezember 2021

Die „westliche Lesart“

Wir werden darüber belehrt, dass es sich 1990 überhaupt nicht um ein Versprechen gehandelt habe, das sei immer ein Missverständnis gewesen. Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher, Februar 1990, habe es zwar so gesagt:
„Wir waren uns einig, dass nicht die Absicht besteht, das NATO-Verteidigungsgebiet auszudehnen nach Osten. Das gilt übrigens nicht nur in Bezug auf die DDR, die wir nicht einverleiben wollen, sondern das gilt ganz generell.“ Das hat Genscher tatsächlich so gesagt. Zur Wahrheit gehört aber auch: Genscher gibt tatsächlich nur seine persönliche Haltung wieder. Die Äußerung war kein Zugeständnis in einer Verhandlung, sondern allenfalls ein weiches Signal [...] Er habe auch gar nicht die Entscheidungsbefugnis. swr.de/wissen/...

Oder:
Vor allem der Amerikaner Baker hinterließ in seinem Gespräch mit Gorbatschow am 9. Februar den Eindruck, dass ein vereinigtes Deutschland zwar Mitglied in einer „(politisch) veränderten Nato“ werden könne, deren Geltungsbereich aber „nicht ostwärts“ ausgedehnt würde (so festgehalten in seinen eigenen Notizen). sueddeutsche.de, 23. Dezember 2021
Aber das Weiße Haus, Präsident Bush, überrumpelt, schickte an Kohl eine Klarstellung. Kohl kannte beide US-Positionen und konnte keinen Zweifel an der Entschlossenheit Bushs hegen, als er im entscheidenden Gespräch mit Gorbatschow am 10. Februar die mündliche Formulierung wählte, dass „sich die Nato natürlich nicht auf das Territorium Ostdeutschlands ausdehnen“ werde. In diesem Gespräch erhielt Kohl die Zusage Gorbatschows zur Vereinigung. Gorbatschow stand natürlich unter dem Eindruck der Zusicherung Kohls, musste aber auch gewusst haben, dass der deutsche Bundeskanzler keine Entscheidung im Namen der gesamten Nato treffen konnte. – Ätsch, reingelegt, aber selbst Schuld. Muss er gewusst haben!

Es ist ein großes Verhängnis, dass zu diesen Fragen keine schriftlichen Verträge abgeschlossen worden sind. War Gorbatschow so gutmütig?

Aber sogar „Gorbatschow bestreitet energisch, betrogen worden zu sein“, erklärt ein Osteuropa-Historiker Ignaz Lozo. Ebd.

Kompromiss

1997 unterzeichneten beide Seiten die NATO-Russland-Grundakte. Darin erkennt Russland erkennt an, dass es kein Vetorecht gegen die NATO-Mitgliedschaft anderer Länder hat. Spätestens damit macht Moskau den Weg frei für die Aufnahme weiterer osteuropäischer Staaten ins Natobündnis. Moskau bekam dafür auch etwas, nämlich zum einen weitere wirtschaftliche Unterstützung, zum anderen auch eine Zusicherung, [...] „Es wird keine Atomwaffen in den neuen Mitgliedsländern geben. Es handelt sich um eine feste und verbindliche Zusage der Unterzeichnerstaaten.“, freut sich Jelzin. swr.de/wissen/...

Kurz: Russland selber erlaubt der Nato, näher heranzurücken, wozu auch immer, aber freut sich darauf, dass keine Atombomben drohen, statt dessen Wirtschaft und Handel betrieben werden. Sozusagen rückt die Nato in freundschaftlicher Absicht vor Russlands Tore. Nun, da sich Russland doch gegen Nato in der Ukraine wehrt, was ihm gar nicht zustehe, wird der Westen es auch nicht mehr mit seinen Handelsbeziehungen belohnen und etwa preiswertes Gas von ihm annehmen. Wir werden Russland nicht den Gefallen tun, dass wir warm und in Wohlstand leben.

2024
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15. Juni, Ausgang der Europawahl

Laut Google live vorläufige Ergebnisse.

CDU/CSU 30%
AfD 15,9%
SPD 13,9%
Grüne 11,9%
BSW 6,2
FDP 5,2

Vor sechs Tagen, am Abend nach der Wahl schon bekannt:
Union vorne, AfD auf Platz zwei, Grüne stürzen ab [...] Vor allem die Grünen sinken in der Wählergunst deutlich: Die Partei liegt bei 11,9 Prozent und damit weit unter ihrem Rekordergebnis von 2019 (20,5 Prozent) [...]
Für die Ampelkoalition ist die Wahl ein Dämpfer. Alle drei Parteien verlieren Stimmen.
Der Artikel nennt explizit CDU, SPD und Grüne mit dem Schlagwort „Frieden“. tagesschau.de, 9.6.
Scholz's Wahlplakat trug den Slogan „Mitte, Maß und Frieden“.
Und natürlich tritt vor allem das BSW, Sarah Wagenknecht, für den Frieden auf. Erstere meinen Frieden durch Waffen, Wagenknecht ohne Waffen. Auch AfD für Verhandlungen und Aufhebung der Sanktionen.

„Erfreulich“ wenig Frieden

„Mitte, Maß und Frieden“? – auf dem G-7-Gipfel ist davon erfreulich wenig zu sehen
Viele Deutsche erliegen derzeit der Friedenssäuselei von AfD und BSW – und der des Wahlkämpfers Olaf Scholz. Klaus Geiger. welt.de, 13.6.

Frieden klingt immer gut. Wer will denn keinen Frieden! Eine Binse also. Ein wohlfeiles Gerede, nicht mehr.
Carin Pawlak focus.de über Talkrunde bei Maybrit Illner, 14.6.

Angstmacher

Amira Mohamed Ali (vom BSW) warnt vor Waffen und Krieg, was gefährlich sei:
Wagenknecht-Getreue entlarvt sich im TV als gefährliche Angst-Macherin. Carin Pawlak focus.de über Talkrunde bei Maybrit Illner, 14.6.
Amira Mohamed Ali vom „Bündnis Sahra Wagenknecht“ weist die Nähe zur AfD weit von sich. Glaubhaft ist das nicht.

Ein Land übt mentale Kriegsverweigerung.
Während die Ukraine um ihre Existenz kämpft, fliehen die Deutschen in Ersatzdebatten über Völkerrecht, Anstand und Schweinswale. Kolumne Hendrik Wieduwilt. n-tv.de, 6. Mai 2022

Generation Kriegsangst
Warum die Älteren so große Angst vor dem Atomkrieg haben. Unter denen, die gerade besonders laut vor einer nuklearen Eskalation des Ukraine-Krieges warnen, sind auffällig viele Ältere: Die Babyboomer-Generation ist aufgewachsen mit der Angst vor der Apokalypse. Millannials dagegen fällt der Ruf nach Waffenlieferungen leicht - zum Glück.
Peter Huth welt.de, 1.5.22

Auf der richtigen Seite

Auf der richtigen Seite der Geschichte. Erst in der Ukraine, jetzt in Israel: Joe Biden beweist moralische Klarheit und weltpolitische Führungskraft – gegen das Lager der Autokraten um Xi Jinping und Putin. Kolumne von Matthias Naß zeit.de, 25.10.2023

Wie Joe Biden: Auch Kanzler Scholz auf der richtigen Seite:
Sie [die G-7] beschlossen neue Sanktionen und Scholz stand fest in einer Reihe mit seinen sechs Amtskollegen. Nicht in der Mitte, sondern – auch das ein Zitat aus einer seiner besseren Reden zu diesem Krieg – auf der „richtigen Seite der Geschichte“. Klaus Geiger. welt.de, 13.6.

Unter Klaus Geigers Artikel darf die Leserschaft abstimmen: „Teilen Sie die Meinung des Autors?“ Ergebnis Ja: 125 | Nein: 224
Die Mehrheit dieser Leser ist auf der falschen Seite.

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